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Glossar

VSME-Glossar: die wichtigsten Begriffe rund um den freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht

Der freiwillige EU-Standard bringt eine eigene Begriffswelt mit: von der Obergrenze für die Wertschöpfungskette über den standortbezogenen Scope 2 bis zum meldepflichtigen Arbeitsunfall. Viele Begriffe sind in Anlage A der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560 definiert. Dieses Glossar erklärt sie knapp und nennt, wo sie im Standard vorkommen.

Stand: 2026-10-15

Rechtsrahmen

Freiwilliger Standard (VSME, VS)

Der Standard für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung in Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560, in Kraft seit 24.9.2026. VSME war der Name des EFRAG-Entwurfs und der Empfehlung, VS die englische Kurzform der Verordnung.

Empfehlung (EU) 2025/1710

Unverbindliche Vorgängerfassung des Standards vom 30.7.2025. Mit Inkrafttreten der Delegierten Verordnung gilt sie nach deren Erwägungsgrund 5 als nicht mehr rechtswirksam.

CSRD

Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, die die Rechnungslegungsrichtlinie 2013/34/EU um Berichtspflichten ergänzt hat. Nach der Omnibus-Richtlinie trifft die Pflicht nur noch Unternehmen und Gruppen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz.

Omnibus-I-Richtlinie

Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24.2.2026. Sie hat Anwenderkreis und Anforderungen der CSRD verkleinert, die Obergrenze für die Wertschöpfungskette eingeführt und die Kommission zum Erlass des freiwilligen Standards ermächtigt; Umsetzung bis 19.3.2027.

ESRS

European Sustainability Reporting Standards, die verbindlichen Standards für berichtspflichtige Unternehmen nach der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772. Die überarbeitete Fassung nach der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1563 gilt für Geschäftsjahre ab 2027.

EFRAG

Das fachliche Beratungsgremium der Europäischen Kommission, das die ESRS und den VSME erarbeitet hat. Es stellt praktische Leitlinien und Meldebögen zum freiwilligen Standard auf seiner Plattform Knowledge Hub bereit.

Nichtfinanzielle Erklärung

Die in Deutschland bis zum CSRD-Umsetzungsgesetz geltende Pflicht nach §§ 289b ff. HGB, vor allem für große kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Arbeitnehmern sowie große Kreditinstitute und Versicherer.

Obergrenze und Wertschöpfungskette

Obergrenze für die Wertschöpfungskette

Liste in Anhang II der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560: Nur diese Angaben dürfen berichtspflichtige Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2027 für ihren Nachhaltigkeitsbericht von Partnern bis 1.000 Beschäftigte verlangen. Englisch: value chain cap.

Geschütztes Unternehmen

Ein Unternehmen in der Wertschöpfungskette eines berichtspflichtigen Unternehmens, das am Bilanzstichtag durchschnittlich höchstens 1.000 Beschäftigte im vorangegangenen Geschäftsjahr hatte. Es darf weitergehende Anfragen für Berichtszwecke ablehnen, sobald das nationale Recht dies umsetzt.

Selbsterklärung

Erklärung eines Lieferanten zu seiner Größe. Das berichtspflichtige Unternehmen darf sich nach der Omnibus-Richtlinie darauf stützen, ohne sie zu überprüfen, außer es kannte die Unrichtigkeit oder musste sie kennen.

Wertschöpfungskette

Nach Anlage A alle Tätigkeiten, Ressourcen und Beziehungen rund um das Geschäftsmodell, von vorgelagerten Lieferanten bis zu nachgelagerten Vertreibern und Kunden, einschließlich des finanziellen und regulatorischen Umfelds.

Aufbau des Standards

Basismodul

Die Angaben B1 bis B11, nach Nummer 6 die Mindestanforderung für jeden Bericht und der vorgesehene Ansatz für Kleinstunternehmen.

Zusatzmodul

Die Angaben C1 bis C9 für den weitergehenden Informationsbedarf von Banken, Investoren und Unternehmenskunden; nur zusammen mit dem Basismodul anwendbar.

Option A und Option B

Unter B1 erklärte Wahl des Umfangs: Option A ist das Basismodul allein, Option B Basis- und Zusatzmodul. Die Vorgaben des gewählten Moduls müssen vollständig erfüllt sein.

Übereinstimmungserklärung

Ausdrückliche Erklärung unter B1, dass der Bericht dem freiwilligen Standard in der gewählten Option entspricht.

„Falls-zutreffend“-Grundsatz

Nach Nummer 15 sind bestimmte Angaben nur zu machen, wenn der beschriebene Umstand vorliegt. Eine ausgelassene Angabe dieser Art gilt als nicht zutreffend.

Eckige Klammern

Kennzeichnung von Datenpunkten, die für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten freiwillig und für größere erforderlich sind (Nummer 8).

Auslassung

Weglassen geschützter Informationen nach Nummer 22, etwa Geschäftsgeheimnisse oder Angaben zum Schutz der Privatsphäre; jede Auslassung wird unter B1 genannt und zu jedem Stichtag neu geprüft.

Vergleichsinformationen

Vorjahreswerte, die nach Nummer 14 ab dem zweiten Berichtsjahr anzugeben sind, außer bei erstmals berichteten Kennzahlen.

Klima und Energie

Scope 1

Direkte Treibhausgasemissionen aus Quellen im Eigentum oder unter Kontrolle des Unternehmens, zum Beispiel Heizung und Fuhrpark.

Standortbezogener Scope 2

Emissionen aus eingekauftem Strom, Dampf, eingekaufter Wärme oder Kühlung, berechnet mit dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des Netzes am Ort des Verbrauchs. B3 verlangt diese Methode.

Marktbasierter Scope 2

Berechnung nach Lieferverträgen und Herkunftsnachweisen. Im freiwilligen Standard nicht verlangt, als zusätzliche Information möglich.

Scope 3

Alle übrigen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, gegliedert in 15 Kategorien des THG-Protokolls; im Standard freiwillig.

CO₂-Äquivalente (CO₂e)

Einheit, die verschiedene Treibhausgase über ihr Treibhauspotenzial in die Wirkung von Kohlendioxid umrechnet; Emissionen werden in metrischen Tonnen CO₂e angegeben.

Bruttoemissionen

Gesamtemissionen ohne Abzug von CO₂-Entnahmen, Zertifikaten oder anderen Anpassungen.

Emissionsfaktor

Menge Treibhausgas je Einheit Energieträger, etwa Kilogramm CO₂ je Liter Diesel oder Gramm CO₂e je Kilowattstunde Strom; immer mit Quelle, Bezugsjahr und Bezugsgröße angeben.

Brennwert und Heizwert

Zwei Bezugsgrößen für den Energiegehalt von Brennstoffen. Gasrechnungen weisen kWh in der Regel nach dem Brennwert aus; der Emissionsfaktor muss zur gleichen Bezugsgröße passen.

Klimaintensive Sektoren

Nach der Fußnote zu Nummer 54 die NACE-Abschnitte A bis H sowie M nach der Systematik der Delegierten Verordnung (EU) 2023/137; relevant für den Übergangsplan unter C3.

Umwelt, Belegschaft und Governance

Wasserentnahme und Wasserverbrauch

Entnahme ist alles Wasser, das in die Grenzen des Unternehmens gelangt. Verbrauch ist der Teil, der nicht wieder eingeleitet oder an Dritte weitergegeben wird.

Wasserstress

Nach Anlage A die Fähigkeit oder Unfähigkeit, den menschlichen und ökologischen Wasserbedarf zu decken; betrifft Verfügbarkeit, Qualität und Zugänglichkeit von Wasser.

Gefährlicher Abfall

Abfall mit mindestens einer gefährlichen Eigenschaft nach Anhang III der Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG; unter B7 getrennt von nicht gefährlichem Abfall anzugeben.

Gebiete mit schutzbedürftiger Biodiversität

Unter anderem Natura-2000-Gebiete, Unesco-Weltnaturerbestätten, Ramsar-Gebiete und national ausgewiesene Schutzgebiete; maßgeblich für B5.

Beschäftigte

Personen in einem Beschäftigungsverhältnis mit dem Unternehmen nach nationalem Recht. Selbstständige und Zeitarbeitskräfte gehören zu den eigenen Arbeitskräften, aber nicht zu den Beschäftigten.

Meldepflichtiger Arbeitsunfall

Ein Arbeitsunfall, der zum Tod oder zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen führt; Grundlage für Zahl und Quote unter B9.

Verfahrensweisen und Konzepte

Verfahrensweisen sind gelebte Initiativen, Konzepte formale Rahmen mit Verantwortlichen, Anwendungsbereich und Zielen. Kleinere Unternehmen nutzen laut Anlage A häufig Verfahrensweisen.

Vorfall

Eine förmliche Klage oder Beschwerde beim Unternehmen oder bei Behörden oder ein festgestellter Fall der Nichteinhaltung; relevant für C7.

Zeithorizonte

Kurzfristig ein Jahr, mittelfristig zwei bis fünf Jahre, langfristig mehr als fünf Jahre — so legt es Anlage A für den ganzen Bericht fest.

So geht es mit esg-bericht.io

  • Hilfetexte je Angabe statt eines separaten Handbuchs
  • Fachbegriffe im Bericht nach Anhang I, Kennzahlen mit Einheit und Methode
  • Methodenteil erklärt Faktoren, Zählweisen und Schätzungen

In esg-bericht.io stehen die Begriffe dort, wo sie gebraucht werden: Jedes Feld der Erhebung hat einen deutschen Hilfetext mit Bezug auf die Nummer in Anhang I, und der fertige Bericht verwendet die Bezeichnungen der Verordnung.

Häufige Fragen

Was bedeutet VSME?

VSME steht für „Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs“, den freiwilligen Standard der EFRAG für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen. Seit dem 24. September 2026 ist er in überarbeiteter Form als Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560 EU-Recht; dort heißt er „freiwilliger Standard“.

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 sind direkte Emissionen aus eigenen Quellen, etwa Heizung und Fahrzeuge. Scope 2 sind Emissionen aus der Erzeugung eingekaufter Energie wie Strom und Fernwärme. Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen in der Wertschöpfungskette. Der freiwillige Standard verlangt Scope 1 und den standortbezogenen Scope 2.

Was heißt „Falls zutreffend“ im VSME?

Einige Angaben sind nur zu machen, wenn ein bestimmter Umstand vorliegt, zum Beispiel B4 nur bei bestehender Meldepflicht für Schadstoffe oder B11 nur bei Verurteilungen. Fehlt eine solche Angabe, gilt sie nach Nummer 15 als nicht zutreffend und nicht als Lücke.

Was ist der Value Chain Cap?

Die englische Bezeichnung für die Obergrenze für die Wertschöpfungskette. Sie legt in Anhang II der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560 fest, welche Nachhaltigkeitsangaben berichtspflichtige Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2027 für ihren Bericht höchstens von Partnern bis 1.000 Beschäftigte verlangen dürfen.

Wo finde ich die verbindlichen Definitionen?

In Anlage A von Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560, veröffentlicht im Amtsblatt der EU am 21. September 2026. Anlage A ist ausdrücklich Bestandteil des Standards; im Text sind die definierten Begriffe fett und kursiv hervorgehoben.

Quellen und Rechtsstand

Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.

Begriffe verstehen, Bericht erstellen

Geführte Erhebung mit Hilfetexten je Angabe — vom Basismodul bis zum Methodenteil des fertigen PDF.

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