THG-Bilanz
THG-Bilanz für Unternehmen: Scope 1 und Scope 2 Schritt für Schritt berechnen
Die Treibhausgasbilanz ist für viele kleinere Unternehmen der Teil des Nachhaltigkeitsberichts, vor dem sie am meisten Respekt haben. Für Scope 1 und Scope 2 genügen aber Verbrauchsmengen, die auf Rechnungen stehen, und Emissionsfaktoren aus amtlichen Quellen. Diese Seite zeigt die Abgrenzung, die Faktoren mit Herleitung und ein vollständig durchgerechnetes Beispiel.
Stand: 2026-10-15
Scope 1, 2 und 3 — die Abgrenzung
Der freiwillige Standard verweist unter B3 auf den Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandard des THG-Protokolls für Unternehmen in der Fassung von 2004. Er verlangt die geschätzten absoluten Bruttoemissionen, also ohne Abzug von Kompensationen oder CO₂-Entnahmen. Zu den Treibhausgasen zählen nach Anlage A neben Kohlendioxid auch Methan, Lachgas, Schwefelhexafluorid, Stickstofftrifluorid sowie teil- und perfluorierte Kohlenwasserstoffe; sie werden in CO₂-Äquivalente umgerechnet.
| Scope | Definition nach Anlage A | Typische Quellen im KMU | Im VSME |
|---|---|---|---|
| Scope 1 | Direkte Emissionen aus Quellen im Eigentum oder unter Kontrolle des Unternehmens | Gas- oder Ölheizung, Firmenfahrzeuge, Flüssiggas-Stapler, Notstromaggregat, Kältemittelverluste aus eigenen Klima- und Kühlanlagen | B3, Pflicht (bis 10 Beschäftigte freiwillig) |
| Scope 2 | Indirekte Emissionen aus der Erzeugung eingekauften Stroms, Dampfs, eingekaufter Wärme oder Kühlung | Netzstrom, Fernwärme, eingekaufter Dampf oder Kälte | B3, standortbezogen, Pflicht (bis 10 Beschäftigte freiwillig) |
| Scope 3 | Alle übrigen indirekten Emissionen der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette | Eingekaufte Waren, Transporte durch Dienstleister, Geschäftsreisen, Pendeln, Nutzung verkaufter Produkte | Freiwillig, je nach Tätigkeit angemessen (Nummern 49–52) |
Erst die Grenze, dann die Zahlen
Bevor Sie rechnen, legen Sie fest, was zum Unternehmen gehört. Das THG-Protokoll arbeitet mit einem Kontroll- oder Kapitalanteilsansatz. Für die meisten Mittelständler ist der Kontrollansatz naheliegend: Alles, was Sie selbst betreiben, gehört in die Bilanz — eigene und in der Regel auch selbst betriebene geleaste Fahrzeuge, gemietete Hallen mit eigener Heizung, Büros mit eigenem Stromvertrag.
Die Grenze sollte zur Berichtsgrundlage unter B1 passen. Erstellen Sie einen konsolidierten Bericht mit Tochtergesellschaften, gehören deren Verbräuche dazu; bei einem Einzelbericht nur die eigenen. Halten Sie die Entscheidung schriftlich fest, damit das Folgejahr nach denselben Regeln gerechnet wird.
Die Rechnung in drei Schritten
- Verbräuche sammeln: je Energieträger die Jahresmenge in der Einheit der Rechnung — Liter Diesel, Benzin oder Heizöl, kWh Erdgas, kWh Strom und Fernwärme, Kilogramm Flüssiggas oder nachgefüllte Kältemittel.
- Faktor zuordnen: je Energieträger einen Emissionsfaktor mit Quelle, Bezugsjahr und Bezugsgröße wählen; bei Strom den Faktor des Berichtsjahres.
- Multiplizieren und zusammenfassen: Menge mal Faktor ergibt Kilogramm, geteilt durch 1.000 Tonnen; Scope 1 und Scope 2 getrennt ausweisen und nicht zu einem einzigen Wert verschmelzen, ohne die Bestandteile zu zeigen.
Emissionsfaktoren mit Quelle und Herleitung
Die Brennstoffwerte stammen aus Anlage 2 der Emissionsberichterstattungsverordnung 2030, die Stromwerte aus der Zeitreihe des Umweltbundesamts.
Zwei Einschränkungen sollten Sie im Bericht offenlegen. Die Brennstofffaktoren der EBeV 2030 erfassen nur Kohlendioxid aus der Verbrennung, ohne Methan, Lachgas und ohne Vorkette. Der Stromfaktor des Umweltbundesamts ohne Vorketten enthält dagegen Methan und Lachgas als CO₂-Äquivalente. Für Fernwärme gibt es keinen bundeseinheitlichen Wert; maßgeblich ist die Angabe Ihres Versorgers, deren Quelle Sie im Bericht nennen.
| Energieträger | Faktor | Herleitung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Diesel | 2,676 kg CO₂ je Liter | 0,845 t je 1.000 l × 42,8 GJ/t × 0,074 t CO₂/GJ | EBeV 2030, Anlage 2, Nr. 3a |
| Heizöl EL | 2,676 kg CO₂ je Liter | gleiche Dichte, gleicher Heizwert und Faktor wie Diesel | EBeV 2030, Anlage 2, Nr. 3b |
| Benzin | 2,394 kg CO₂ je Liter | 0,755 t je 1.000 l × 43,5 GJ/t × 0,0729 t CO₂/GJ | EBeV 2030, Anlage 2, Nr. 1 |
| Erdgas (kWh laut Gasrechnung) | 0,1814 kg CO₂ je kWh | 3,2508 GJ/MWh (3,6 × 0,903) × 0,0558 t CO₂/GJ | EBeV 2030, Anlage 2, Nr. 6 |
| Flüssiggas | 3,013 kg CO₂ je kg | 46,0 GJ/t × 0,0655 t CO₂/GJ | EBeV 2030, Anlage 2, Nr. 5a/5b |
| Strom, deutscher Strommix 2025 | 352 g CO₂e je kWh (geschätzt) | THG-Emissionsfaktor ohne Vorketten; reiner CO₂-Faktor 344 g/kWh | UBA, Climate Change 16/2026, Tabelle 2 |
| Strom, deutscher Strommix 2024 | 361 g CO₂e je kWh (vorläufig) | THG-Emissionsfaktor ohne Vorketten; reiner CO₂-Faktor 353 g/kWh | UBA, Climate Change 16/2026, Tabelle 2 |
| Strom, deutscher Strommix 2023 | 387 g CO₂e je kWh | THG-Emissionsfaktor ohne Vorketten; reiner CO₂-Faktor 379 g/kWh | UBA, Climate Change 16/2026, Tabelle 2 |
Rechenbeispiel: Handwerksbetrieb mit Fuhrpark
Ein erfundener Musterbetrieb, Berichtsjahr 2025, alle Werte nachrechenbar.
Die Energiemengen der Kraftstoffe ergeben sich aus Dichte und Heizwert derselben EBeV-Zeilen: Diesel 0,845 kg/l × 42,8 MJ/kg = 36,17 MJ/l, geteilt durch 3,6 also rund 10,05 kWh je Liter; Benzin 0,755 × 43,5 = 32,84 MJ/l, rund 9,12 kWh je Liter. Erdgas und Strom gehen mit den kWh der Rechnung ein. Weisen Sie aus, dass die Erdgasmenge auf dem Brennwert beruht, denn mit dem Heizwert ergäbe sich ein kleinerer Energiewert.
Bezieht der Betrieb 20.000 der 60.000 kWh als Ökostrom mit Herkunftsnachweis, ändert das am standortbezogenen Scope 2 nichts: Es bleibt bei 21,12 t CO₂e. In der Energietabelle von B3 steht dann aber 20,0 MWh Strom aus erneuerbaren und 40,0 MWh aus nicht erneuerbaren Quellen.
| Energieträger | Verbrauch | Faktor | Emissionen | Energie |
|---|---|---|---|---|
| Diesel (Fuhrpark) | 9.000 l | 2,676 kg CO₂/l | 24,09 t CO₂ | 90,4 MWh |
| Benzin (zwei Pkw) | 1.500 l | 2,394 kg CO₂/l | 3,59 t CO₂ | 13,7 MWh |
| Erdgas (Heizung, kWh laut Gasrechnung) | 85.000 kWh | 0,1814 kg CO₂/kWh | 15,42 t CO₂ | 85,0 MWh |
| Summe Scope 1 | 43,10 t | 189,1 MWh | ||
| Strom (Netzbezug) | 60.000 kWh | 0,352 kg CO₂e/kWh | 21,12 t CO₂e | 60,0 MWh |
| Summe Scope 2 (standortbezogen) | 21,12 t | 60,0 MWh | ||
| Gesamt Scope 1 und 2 | 64,22 t | 249,1 MWh |
Ökostrom, Herkunftsnachweise und der standortbezogene Ansatz
Der freiwillige Standard verlangt unter B3 ausdrücklich die standortbezogenen Scope-2-Emissionen. Anlage A beschreibt sie als Emissionen, die mit dem durchschnittlichen Emissionsfaktor des Netzes berechnet werden, in dem der Strom verbraucht wird. Ein Ökostromtarif senkt diesen Wert deshalb nicht. Eine marktbasierte Berechnung, die Lieferverträge und Herkunftsnachweise berücksichtigt, ist im Standard nicht gefordert; Sie können sie als zusätzliche Information angeben, wenn Empfänger danach fragen.
Für die Aufteilung des Stroms in erneuerbar und nicht erneuerbar gilt dagegen, was in den Rechnungen der Versorgungsunternehmen angegeben ist. Stromlieferanten müssen den Energieträgermix nach § 42 EnWG in oder mit der Rechnung ausweisen. Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage, den Sie selbst verbrauchen, verursacht keine Scope-2-Emissionen, gehört aber als erneuerbare Energie in den Gesamtenergieverbrauch.
Sonderfälle, die häufig übersehen werden
- Brennwert oder Heizwert: Bezieht sich Ihre Gasmenge auf den Heizwert, ergibt die EBeV mit 3,6 GJ/MWh × 0,0558 rund 0,201 kg CO₂ je kWh statt 0,181 kg.
- Biokraftstoffanteil: Die EBeV-Werte für Diesel und Benzin sind fossile Standardwerte ohne Abzug eines Bioanteils; wer den Bioanteil berücksichtigen will, braucht Angaben des Lieferanten.
- Kältemittel: Nachgefüllte Mengen in eigenen Klima- und Kühlanlagen sind Leckageverluste und gehören mit ihrem Treibhauspotenzial zu Scope 1; die Mengen stehen in den Wartungsprotokollen.
- Mietflächen: Heizung und Strom aus der Nebenkostenabrechnung gehören zu Ihrer Bilanz, wenn Sie die Flächen nutzen; verteilte Gebäudewerte als Schätzung kennzeichnen.
- Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen: Ihr Strom läuft über Scope 2, nicht über Scope 1.
- Schätzungen: Fehlen Werte für einzelne Monate, hochrechnen und die Methode im Bericht nennen.
Scope 3: wann es sich lohnt
Scope 3 ist im freiwilligen Standard keine Pflichtangabe. Die Nummern 49 bis 52 nennen ihn als Angabe, die je nach Tätigkeit angemessen sein kann, und heben das verarbeitende Gewerbe, die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, den Immobilienbau sowie das Abfüllen und Verpacken hervor. Wer Scope 3 angibt, bezieht sich auf die 15 Kategorien des THG-Protokolls, nimmt die nach eigener Bewertung signifikanten Kategorien auf und stellt sie unter B3 zusammen mit Scope 1 und 2 dar.
Praktisch beginnen viele Unternehmen mit einer oder zwei Kategorien, für die Daten vorliegen, etwa Geschäftsreisen oder Transporte durch Speditionen. Wichtig ist, die einbezogenen Kategorien und die Methode zu nennen, damit Empfänger den Wert richtig einordnen.
So geht es mit esg-bericht.io
- Strom je Berichtsjahr nach der UBA-Zeitreihe, Brennstoffe nach EBeV 2030, je Zeile sichtbar
- Eigene Faktoren, etwa vom Fernwärmeversorger, lassen sich je Zeile mit Quellenangabe eintragen
- Ökostrom mit Herkunftsnachweis zählt beim Anteil erneuerbarer Energie, nicht beim Standortfaktor
- Der Bericht enthält ein Methodenkapitel mit Quellenverzeichnis der verwendeten Faktoren
- Scope 3 wird als freiwillige Angabe mit Kategorien und Methode erfasst, aber nicht berechnet
Der CO₂-Rechner von esg-bericht.io übernimmt die Multiplikation und die Umrechnung in MWh. Sie tragen Liter und Kilowattstunden ein; die Software ordnet den Faktor mit Quelle zu, speichert ihn mit dem Bericht und überträgt Scope 1, standortbezogenen Scope 2 und die Energiewerte per Klick nach B3.
Häufige Fragen
Welcher Emissionsfaktor gilt für Strom im Jahr 2025?
Das Umweltbundesamt weist für den deutschen Strommix 2025 einen geschätzten THG-Emissionsfaktor ohne Vorketten von 352 g CO₂-Äquivalenten je kWh aus, den reinen CO₂-Faktor mit 344 g je kWh. Für 2024 lauten die vorläufigen Werte 361 und 353 g. Verwenden Sie den Wert des Berichtsjahres und nennen Sie Datenstand und Quelle.
Zählt Ökostrom in der THG-Bilanz als null Emissionen?
Nicht im standortbezogenen Scope 2, den der freiwillige Standard unter B3 verlangt. Dort gilt der Durchschnittsfaktor des Netzes für den gesamten Strombezug. Ökostrom mit Herkunftsnachweis erhöht aber den ausgewiesenen Anteil erneuerbarer Energie. Eine marktbasierte Rechnung können Sie zusätzlich angeben, wenn ein Empfänger sie verlangt.
Gehören Dienstwagen zu Scope 1?
Fahrzeuge, die das Unternehmen besitzt oder selbst betreibt, gehören mit ihrem Kraftstoffverbrauch zu Scope 1. Das gilt nach dem Kontrollansatz in der Regel auch für geleaste Fahrzeuge im eigenen Betrieb. Fahrten in privaten Fahrzeugen von Beschäftigten oder mit Mietwagen und Bahn sind dagegen Scope-3-Kategorien.
Was ist der Unterschied zwischen CO₂ und CO₂e?
CO₂ ist nur Kohlendioxid. CO₂e, also CO₂-Äquivalente, rechnet weitere Treibhausgase wie Methan und Lachgas über ihr Treibhauspotenzial in die Wirkung von Kohlendioxid um. Der freiwillige Standard verlangt Angaben in Tonnen CO₂e. Faktoren, die nur CO₂ erfassen, sollten Sie im Bericht als solche kennzeichnen.
Muss ich die THG-Intensität je Umsatz angeben?
Nein. B3 verlangt in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2026/1560 absolute Bruttoemissionen in Tonnen CO₂e. Eine Intensität je Million Euro Umsatz können Sie als zusätzliche Kennzahl angeben, etwa wenn eine Bank sie abfragt. Sie ersetzt aber nicht die absoluten Werte.
Kann ich die THG-Bilanz erstellen lassen?
Ja, Energieberater, Klimaschutzagenturen und Beratungsgesellschaften bieten das an. Für Scope 1 und 2 reicht bei überschaubarer Anlagenstruktur aber oft die eigene Rechnung mit amtlichen Faktoren. Externe Hilfe lohnt sich eher bei Scope 3, bei Prozessemissionen oder wenn ein Kunde eine geprüfte Bilanz verlangt.
Quellen und Rechtsstand
Primärquellen für die zentralen Aussagen dieser Seite. Öffnen Sie im Zweifel immer die aktuelle Fassung.
- EBeV 2030, Anlage 2 — Standardwerte für Dichte, Heizwert und Emissionsfaktor von Brennstoffen
- UBA Climate Change 16/2026 — Entwicklung der spezifischen Treibhausgas-Emissionen des deutschen Strommix 1990–2025, Tabelle 2
- Delegierte Verordnung (EU) 2026/1560, Anhang I B3 und Anlage A — Pflichtangaben zu Energie und Emissionen, Definitionen der Scopes
- GHG Protocol Corporate Standard — Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandard des THG-Protokolls, auf den B3 verweist
- § 42 EnWG — Stromkennzeichnung als Quelle für den Anteil erneuerbarer Energie
Scope 1 und 2 aus Ihren Rechnungen berechnen
Verbräuche eintragen, Faktor mit Quelle prüfen, Ergebnis nach B3 übernehmen — mit Methodenkapitel im fertigen Bericht.
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